Archive for the ‘Rezensionen’ Category

Eine ganz alte Geschichte

Mittwoch, Juni 21st, 2017

Ich habe in den letzten Tagen bis spät in die Nacht gelesen: Stolz und Vorurteil von Jane Austen, 1813. Es handelt sich kurz gesagt um die Liebesgeschichten dreier Töchter eines kleinen Landadeligen. Stolz und Vorurteile spielen eine große Rolle: hier Adel, da Bürgerliche. Und wenn Braut und Bräutigam aus den verschiedene Sphären stammten, dann kann ein langer Roman daraus werden. Wie viel Seiten das Buch hat, weiß ich nicht, ich habs als E-Book gelesen, was am Abend auf dem Balkon sehr angenehm war, bei unseren momentanen Temperaturen. Hin und wieder wurde es ein Uhr, bis ich das Buch weglegte – so spannend ist es. Warum es so spannend ist? Ich weiß es nicht. Zumal man absehen kann, wie es endet – außerdem hatte ich es irgendwann als Film gesehen. So spannend möchte ich auch schreiben können, ohne jeden Aufwand an aufregenden Szenen.
Hier ist ausführlicher und kenntnisreicher darüber geschrieben

Anna Wittig

Samstag, Juni 10th, 2017

Der Kuss des Boccore
Wie es sich für eine Kurzgeschichte gehört, wird man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen, die einen atemlos werden lässt. Das Böse in unserer trivialen Welt und das Geheimnisvolle der Voodoo-Kultur in Westafrika treffen aufeinander. Der Kuss des Boccore löst eine Geschichte aus, die nicht von dieser Welt ist, aber unsere Welt durcheinanderwirbelt. Wenn man es denn glauben will. Das hört sich geheimnisvoll an und so ist die Geschichte auch. Der Boccore ist ein Voodoopriester, dessen Geist im Augenblick seines Todes in den Körper seiner Tochter Kumani übergeht. Sein Mörder, ein weißer Mann, adoptiert das Kind, aus Kumani wird Cathy. Sie wohnt jetzt in Deutschland, weit weg von Afrika, aber der Boccore will seine Rache. Man fürchtet, dass er sie bekommen wird.
Kurzgeschichte, Juni 2017, E-Book 0,99 Euro

B. D. Thion

Mittwoch, Juni 7th, 2017

Caruso lebt
Mir hat der Krimi von Krimifreundin Brigitte sehr gut gefallen. Ich habe schnell Zugang zu den Personen der beteiligten Familien und den Ereignissen gefunden, so dass ich ihr Handeln bald nachvollziehen konnte.
Die Ausgangssituation ist tatsächlich recht ungewöhnlich: Linda Martens hält ihrem Mann vor allen Gästen bei der Silberhochzeit seine jahrelange Untreue vor. Sie will sich von ihm trennen und präsentiert schon ihren neuen Mann. Es ist der für das Fest engagierte Magier Caruso, der mit einer Guillotine angereist ist. Diese wird in der Nacht zum Mordinstrument. Bei den Personen eröffnen sich erschreckende Einblicke in die gestörten Psychen und in die schwierigen Beziehungen zueinander.
Man denkt, man erkennt bald den Mörder, doch es kommt anders.
Es ist der zweite Krimi mit der Kommissarin Ina Helle, wieder spielt die Eifel eine große Rolle.
Erschienen im April 2017, E-Book 2,99 Euro, Tb folgt

Jochen Wiesigel

Mittwoch, März 1st, 2017

Mord am Genfer See
Eigentlich hatte ich das Buch gekauft, weil ich schöne Erinnerungen an den Genfer See hatte. Ich kenne fast alle Orte, die erwähnt werden. Aber das ist nicht soo wichtig. Die Handlung ist spannend, Russen und Kunst sind das immer. Auch schurkische Ärzte. Ich weiß nicht so recht, wie viel vom Inhalt man verraten darf, aber Mord steht ja schon im Titel. Darf bei Mord auch etwas Gutes herauskommen? Man kann es von zwei Seiten sehen, eine Seite ist ein Sohn, der einen schwer kranken Vater hat.
Erschienen November 2013, Tb 9,99 und E-Book 2,99 Euro

Bettina Klusemann

Mittwoch, Februar 22nd, 2017

Die Messen sind noch nicht gelesen
Eleonore, „Lörschen“ gerufen von ihrem Ehemann Karlemann, hat den ewigen Urlaub auf dem Campingplatz in Holland satt. Strand ja – aber nicht in Holland. Mallorcas Strände und andere Annehmlichkeiten locken sie seit langem. Was hört man nicht alles von Freundinnen … Aber Karlemann hat keine Lust auf Mallorca und allein dorthin, das erlaubt er nicht. Bis sie sich auf dem verdammten matschigen, Platz den Fuß verstaucht. Karlemann schenkt ihr, damit sie endlich mit Jammern aufhört: eine Woche Mallorca. Von den Annehmlichkeiten hat er keine Ahnung. Eleonore erlebt sie und möchte nie wieder weg. Ob und wie das gelingt, das erfährt die Leserin bereits nach einer halben Stunde Lesezeit – dann ist der Kurzkrimi zu Ende. Und die Leserin zufrieden.
Erschienen im Februar 2017, E-Book 1,49

Inca Vogt

Samstag, Februar 11th, 2017

Götzenkinder
Der Bestseller „Silikon Hunter“ von Adrian Brecht ist in aller Munde, eine Lesung jagt die andere. Da geschieht Schreckliches: Eine Frauenleiche wird gefunden, eine zweite – der Täter kann nur der Autor Adrian Brecht sein. Genau wie in seinem Thriller beschrieben, sind den jungen Frauen die Silikonbrüste entfernt worden. Ein grauenhafter Anblick für die Frau, die die erste Leiche findet: Luise Sander, die Mutter von Adrian Brecht. Die kleine Gemeinde Götzenheim am Rand von Frankfurt ist in Aufruhr. Alte Schauergeschichten werden hervorgeholt. Toni Amato, Journalistin bei einer Onlinezeitung, recherchiert und erfährt vieles aus der Vergangenheit. Auch aus der Vergangenheit des berühmten Autors. Ist er wirklich der Täter? Bei den Recherchen rückt die Klinik Schönhausen in den Blick, der Name ist Programm – Schönheitsoperationen am laufenden Band. Nicht nur die Aufklärung der Morde ist schwierig für Chris Kante vom BKA; die große Frage: Gehört auch die mögliche Entführung von zwei jungen Frauen zu diesem Fall? Verdammt spannend.
Psychothriller. Erschienen Mai 2016, TB 12,79

Bettina Klusemann

Freitag, Januar 20th, 2017

Die Unschuld der Kastanienblüten
Voll hinein in die Zeit nach ’45 zieht uns dieser Roman. Kinderjahre voll Entbehrungen und voll von den Geheimnissen der Erwachsenen. Aber auch voll von Spielen in den Wiesen am Rhein. Manni und Peter, Ulla und Moni und mitten drin Sophie Abendroth, die Heldin der Geschichte. Aber einer steht immer am Rand – der Judenjunge Hanno. Ja, der Judenjunge, so wird er von der Lehrerin der Kinder und von Eltern genannt und man weiß lange nicht: Will er nicht mitspielen oder lässt man ihn nicht. Sophie fühlt sich unsicher, so vieles halten die Eltern vor ihr verborgen.
Die Unschuld der Kastanienblüten ist ein Roman über die Annäherungen und Entfremdungen zwischen Sophie und Hanno. Zwischen Düsseldorf, Paris und Berlin, wo die Geschichte der beiden endet. Für das fraglose Glücklichsein sind beide nicht geschaffen, liegt es am ruhelosen Wesen von Hanno oder an den Ansprüchen von Sophie?
Gehört eigentlich nicht in einen Blog namens Omas Krimis, aber ich finde den Roman empfehlenswert
Erschienen Januar 2017, zunächst nur E-Book 2,99, Taschenbuch ab März 12,00 Euro

Inca Vogt

Samstag, Januar 14th, 2017

Verlorene Kinder
Wie hört sich das an: Verlorene Kinder? Gar nicht gut. Da sind Mütter, die ihre Kinder vermissen: leider tot geboren. Mütter, die sich ihre Kinder bestellen, möglichst ähnlich müssen sie ihnen sein. Passt das Söhnchen dann doch nicht – weg damit. Lieber doch ein Töchterchen. Kinder sind das ganz große Geschäft für clevere Hintermänner, Kinder sind nicht billig. Und Eltern, deren Adoptionspapiere gefälscht sind, sind erpressbar. Zwei Mal Kasse machen. Eine Kinderwunschklinik vermittelt auch Leihmütter – warum nicht? Eine Ebene tiefer – in jeder Hinsicht – ein Profiteur. Er ist Handlanger und Täter auf eigene Rechnung. Die Opfer: junge, verzweifelte Mädchen, drogenabhängig, Straßenkinder, auch sie verloren, und verschwunden. Es gibt verschwiegene Ärzte und Kliniken. Und wenn es gar nicht anders geht, werden ihre Leichen am Stadtweiher gefunden. Und wie so oft, sind Täter auch Opfer, in diesem Fall Opfer eines religiösen Wahns.
Aber es gibt auch Toni Amato, die ehrgeizige Journalistin. Leider ein wenig zu ehrgeizig, sie bringt sich mit „Undercovereinsätzen“ in Lebensgefahr. Von Amtswegen: Chris Kante vom BKA. Und wie das so ist, wenns ums große Geld geht, da werden auch Beamte schwach. Kante weiß nicht mehr, wem sie trauen kann.
Der Thriller Verlorene Kinder ist der dritte Band einer Reihe und daher kommen Bezüge zu den vorherigen Handlungen vor. Freut Leser, die auch die ersten Bände kennen, stört Neulingen aber nicht, sie sind geschickt eingewoben. Dieses Mal bleiben nicht viele Fragen offen.
Psychothriller, veröffentlicht Dezember 2016, zur Zeit nur E-Book aber 0,99 Euro!
Bestseller bei Amazon unter Thriller

Ina Kramer

Donnerstag, Januar 12th, 2017

110 Gedichte
Ich und die Besprechung eines Gedichtbandes … Unmöglich. Aber wenn die Autorin selbst so sagt:
110 Gedichte
Meistens gereimt – formstreng – und von unterschiedlichem Versmaß – oft lustig – manchmal auch nicht – aber immer knackig
dann trau ich mich doch. Zumal, wenn im Inhaltsverzeichnis so etwas steht wie: Zu gutur lutzt
Am meisten interessiert mich natürlich „Dichters Freud und Leid“. Ein Blick in die Dichterwerkstatt von Ina Kramer, denn von ihr stammt ja dieser Gedichtband:
„Die erste Zeile schenken die Götter,
doch schon bei der zweiten beginnt das Geknötter.
……
Die letzte strahlt süß und lobt: gut gemacht, Dichter!“
So kommt es doch zu einem befriedigenden Ende.
Am liebsten würde ich weiter zitieren, oder zumindest Überschriften anbieten, aber dann wäre es ja keine Besprechung. Wer erwartet, einen zweiten Goethe oder Rilke vorzufinden – der ist hier falsch. Zumal es sich nicht um einen Autor, sondern um eine Autorin handelt. Goethinnen oder Rilkinnen hört sich irgendwie falsch an.
Aber, wie dem auch sei, eine richtige Besprechung wird’s einfach nicht: Am besten Ihr lest es selber: Zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Kopfschütteln oder Zustimmen, zum Erschrecken und zum Nachdenken, zum Reime-Nachzählen oder Plattitüden-Rügen beipflichten. Die deutsche Sprache ist doch eigentlich eine schöne.
Da man natürlich auch etwas Kritisches sagen muss bei einer seriösen Besprechung: In der Danksagung am Ende gibt es einen Rechtschreibfehler. Zu wessen Lasten geht der wohl?
110 Gedichte, erschienen Dezember 2016, Tb 8,00 Euro, E-Book 2,49, zu haben überall wo es Bücher oder E-Books gibt, auch bei Amazon.

Inca Vogt

Dienstag, Januar 3rd, 2017

Gebrannte Kinder

Grässlich verstümmelte Leichen von Menschen, in deren Vergangenheit die Betreuung von elternlosen Kindern eine Rolle gespielt hat … Da kommt ein Verdacht auf: Rache. Und als Racheengel wird der Täter von der Polizei und von den Journalisten bezeichnet. Es ergibt sich eine Zusammenarbeit zweier gegensätzlicher Frauen, einmal Toni Amato, die Journalistin, zum anderen Chris Kante, die Kommissarin. Toni Amato sieht in ihrer Story die Möglichkeit, sich einen festen Job zu sichern, Kante hat die Aufgabe, den Täter zu ermitteln und zu verhaften. Auf der anderen Seite – Täterseite ? – David Frensen, der seit Kurzem unter quälenden Erinnerungen leidet. Gregor, sein Bruder, der ihm helfen will, seine Erinnerungen zu bewältigen. Sind sie übrigens wirklich Brüder? Wie es sich für einen Thriller gehört: Spannung bis zur letzten Szene. Wer mit dem Thema Kindesmissbrauch nichts zu tun haben möchte, sollte das Buch nicht kaufen. Alle anderen werden erschüttert sein vom Schicksal der hilflosen Wesen und Mitgefühl auch für den Rächer aufbringen.

Psychothriller, erschienen im Februar 2015, 520 Seiten, Tb 13,99 – E-Book 2,99 EURO