Archiv der Kategorie: Rezensionen

Ulli Eike


Spurlos

Was hat die Seniorenresidenz Lippeblick mit dem Club Paradise zu tun und wieso wird der Lebensgefährte einer Angestellten des Lippeblick am Morgen des Tages ermordet, als sieben Bewohner des Hauses spurlos verschwinden? Der Bus, der sie zu einer Shoppingtour fahren sollte, wird von Spaziergängern leer aufgefunden, Passagiere und Busfahrer – wo sind sie? Das sind die Rätsel, die Lena Stern und ihre Kollegen aus Dortmund und Umgebung zu lösen haben. Zunächst geht es um vermisste Personen, dann um ermordete. Eine Hundertschaft der Polizei versucht, die verschwundenen alten Leute zu finden, die Zeit wird knapp, es ist November und verdammt kalt. Ich habe die Ermittlerin Lena Stern gerade erst kennengelernt, bin aber begeistert von ihrer Art, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Band 9 einer Reihe. Absolut lesenswert.

Erschienen August 2018, 322 Seiten, Tb 9,90, E-Book 0,99 Euro

Inca Vogt

Makaber, aber mit einem Augenzwinkern

Mordserbe

Erben ist schön – aber ein Beerdigungsinstitut? Noch dazu fest in der Hand von Verwandten des Verstorbenen, die selbst nichts erben. Das riecht nach Zwistigkeiten. Leo Nora, die Tochter des nicht ganz Verblichenen(?), hat diesen Vater nie gekannt, sie war eine Waise, die sich irgendwie durchschlug. Erfreulicherweise gibt es neben den zwielichtigen Verwandten den einen oder anderen Freund des Vaters. Sie „adoptieren“ nun die beiden Kinder, neben Leo den etwas älteren Will. Was auch bitter nötig ist. Denn Igor, der Schwager, schreckt anscheinend vor nichts zurück. Da kann man schon mal ins Zittern geraten, aber das wollen wir ja von einem Thriller, einem ganz und gar schwarzen Thriller.
Leo erinnert mich in ganz klein wenig an Amato aus anderen Thrillern. Apropos anderen – dieser ist ganz anders. Wie gesagt makaber, nicht nur wegen des Gewerbes, sondern auch humorvoll, da wo es passt. Locker, leicht geschrieben, man legt den Text nicht gern beiseite, man ist schließlich neugierig.

Erschienen im Juni 2018, Tb 9,95, E-Book 2,99 Euro.

Leonie Haubrich

Dunkelmädchen 
Am Anfang habe ich mich gefragt: Ist das ein Familienroman? Nein, es ist ein Psychothriller. Immer enger wird der Lebensraum von Elena, dieser Mutter, die sich eines Tages sicher ist: Julia ist nicht das Kind, das sie geboren hat. Ihr Mann Johannes tut das als Spinnerei ab, hat immer wieder Gründe, warum sie sich irren muss. Eine Psychiaterin, die er ihr empfiehlt, versucht zu helfen. Vergebens. Durch einen Verzweiflungsakt kommt sie in eine geschlossene Anstalt. Ist sie vielleicht wirklich verrückt, wie Johannes es ihr unterstellt? Er versucht trotzdem, sie mit allen Mitteln dort herauszuholen. Hat er Angst vor dem, was sie ausplaudern könnte? Hat er selbst etwas mit dem Verschwinden des eigenen Kindes zu tun – das sind die finsteren Gedanken, die Elena Tag und Nacht bedrängen. Sie versucht auf eigene Faust, das Rätsel zu klären – aber wird das ihre Probleme lösen? Von irgendwann an, muss man weiterlesen, egal wie spät in der Nacht es ist.

Erschienen Januar 2019,  Tb 9,99 E-Book zZt. 0,99 Euro

Heike Fröhling

Gesang des Nordlichts

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
(Hermann Hesse)

Acht Tage Schweden. Weihnachten im Haus am See. Eine Tradition seit vielen Jahren. Die Familie kommt zusammen: Claudia und Holger, ein Ehepaar seit achtzehn Jahren, ihre beiden Kinder, Claudias beide Schwestern, ihr alter Vater. Jeder ist allein mit seinen Befürchtungen, seinen Hoffnungen, seinen Erinnerungen. Und wenn sie das Schweigen brechen, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen: Familie eben. Das kennt man, denkt man zunächst und es erinnert einen an eigenes und es erheitert.
Aber da ist ein Untergrund: Der Großvater enthüllt das Geheimnis, wie er Besitzer des Hauses am See geworden ist. März 1945, Flucht über die Ostsee nach Schweden, weg vom Krieg. Eine Familie nimmt ihn auf, obwohl sie schnell merkt, dass er Deutscher ist. Gerhard ist sechzehn Jahre, die älteste Tochter der Familie, Sessa, vierzehn. Eine erste und große Liebe. Zwei schwedische Familien liegen seit Jahren im Streit; er ist mühsam beigelegt worden, aber Gerhard bringt ihn unwissentlich wieder zum Brennen. Mats, der Vater und Besitzer des Hauses schickt Gerhard fort. Bei seiner Rückkehr nach Schweden nach sechs Jahren ist die Familie, die ihn damals aufnahm zerbrochen.
Von einem Familienroman erwartet man, dass am Ende alles „gut“ ist. Wird es gut sein zwischen Claudia und Holger?
Das Gedicht fiel mir beim Lesen des Familienromans ein, in dem es Spaziergänge im Nebel gibt.
Erschienen Oktober 2018, Tb 9,99, E-Book 4,99

Patrizia Sabrina Prudenzi

Böses mit Bösem vergelten, Band eins der Reihe VERBORGEN
Julia Walz lebt als au-pair-Mädchen in London. Dieses Leben endet an einem Tag, an dem die au-pair-Eltern ermordet werden: grausam ermordet werden – ihre Augen sind ausgestochen, ihr Körper wurde aufgeschlitzt. Der Verdacht fällt auf Julia, sie hatten einen Streit am Vorabend. Kurz danach wird bekannt, dass ein junger Mann, mit dem Julia die Nacht verbracht hat, auf die gleiche Weise zu Tode kam. Und aus alten Akten ergibt sich, dass ihre Eltern vor siebzehn Jahren das gleiche Schicksal erlitten haben. Sieht nach einem klaren Fall aus, aber der Londoner Inspektor will an ihre Schuld nicht glauben, Julia selbst leidet an mysteriösen Gedächtnisstörungen. Das ist der Auftakt für einen Thriller, der eine Familie zeigt, in der Geld und Macht eine überragende Rolle spielen und der auch Themen wie Satanismus nicht auslässt. Das Ende hat mich tief befriedigt.
Tb 14,99, E-Book 4,99

Nele Neuhaus

Ich lese zur Zeit den Thriller „Unter Haien“ von Nele Neuhaus, ein ziemlich umfangreiches Buch. Schon die Szenerie ist spannend: New York, die Finanzwelt und die Unterwelt. Die Heldin Alex, Deutsche, hat es bis ganz nach oben geschafft, sie ist eine wichtige Mitarbeiterin in einer Firma, die daran verdient, dass sie Übernahmen von Firmen vorbereitet. Der Vertreter der Unterwelt, ein mächtiger Mafiaboss, wie sich im Laufe der vielen Seiten herausstellt. Leider sehr gut aussehend und faszinierend und so ergibt sich eine in beiden Welten spielende Geschichte von zwei Menschen und vielen anderen Vertretern der „besten“ Gesellschaft. Ich bin jetzt auf Seite 269, insgesamt sinds 600. Bin gespannt, was noch alles passiert.
Wer nur die Taunus-Krimis kennt, wird sich sehr wundern, wie ganz anders Nele Neuhaus hier schreibt. Im Vorwort schreibt sie, dass sie diesen Roman vor Jahren bei Verlagen unterbringen wollte – niemand hat zugesagt. Sie hat ihn dann auf eigene Kosten veröffentlicht. Dann hat Ullstein zugegriffen.
Tb. 12,00, E-Book 1,99 Euro

Guido Dieckmann

Die sieben Templer
Mal wieder ein historischer Roman. Für Mittelalterfreunde, erst recht aber für alle, die sich mit Templern beschäftigt haben. Neun Stunden Lese-Spannung, altes und neues zum Thema. Sieben Tempelritter, sieben geheimnisvolle Münzen und Steine – sieben Handlungsorte. Natürlich Paris, aber auch Deutschland oder Schottland, wo eine Komturei unangefochten weiter besteht. Hineingeflochten die anderen Ritterorden, gierige Bischöfe und Fürsten, die Inquisition. Aber auch tapfere junge Frauen oder verfolgte Schönheiten. Wo ist der sagenhafte Schatz der Templer? Wer kennt das Versteck? Ich bin begeistert.
Erschienen im Dezember 2015, 586 Seiten
Tb. 12,99, E-Book 9,99 Euro

Thomas Herzberg

Vergeltung
Kommissar Wegner bildet als Jungspund neben Kriminalhauptkommissar Kallsen eine Mordkommission. Eigentlich wenig Personal für eine Großstadt wie Hamburg, aber vielleicht gibt es ja mehrere Mordkommissionen. Da ist es hilfreich, dass die Schreibkraft Irmie ein gutes Gedächtnis hat und hin und wieder wichtige Beiträge leistet. Aber nicht nur das ist ungewöhnlich, auch die Handhabung der Aktenordner wundert: Hier wird etwas hinzufügt, was nicht ganz den Tatsachen entspricht, dort einfach etwas entfernt. Hilfreich ist dabei, dass enge Beziehungen zum Fälscher Bonsel bestehen. Der spielt auch im aktuellen Fall eine große Rolle. Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden, eine kleine Wolldecke neben der Fundstelle legt den Verdacht nahe, dass sie ein Baby dabei hatte. Es wird also nicht nur der Täter gesucht, sondern auch dieses Kind. Bestehen da Zusammenhänge? Und worauf deutet der Titel „Vergeltung“ hin. Nach ein paar weiteren Morden – wir sind schließlich auf dem Hamburger Kiez – ist auch der Täter tot. Gekonnt geschrieben, auf mehreren Ebenen spannend und auch der trockene Humor kommt nicht zu kurz. Ich habe mir gleich das nächste Buch gekauft, diesmal mit einer Kommissarin – auf Sylt. Davon später.
Teil einer Reihe, erstes Erscheinungsdatum ?
nur E-Book 2,99 Euro

Martin Krist

Böses Kind
Band eins einer Reihe, von der ich den zweiten Band ziemlich begeistert gelesen habe. Auch in diesem Band laufen zwei Geschichten nebeneinander, eine Kriminalgeschichte – ein verschwundenes junges Mädchen muss gesucht werden; Geschichte Nummer zwei: der beschissene Alltag der Mutter dieses Mädchens, Suse – von ihrem Mann verlassen – mit zwei kleinen Gören, dem ständig quengelnden Dennis und dem lieben kleinen Theo und einem Job an der Kasse eines Drogeriemarktes. Welchen Thrillerleser interessiert das, wenn es Seite für Seite um derlei geht. Allerdings, wenn was passiert, ist es besonders grausig und blutig. Zunächst ein Hund, der Hund der Familie, wie ich vermute, dann ein junger Mann – der Freund der verschwundenen Tochter, wie man vermutet, was aber nicht stimmt. Dann der Ehemann und Vater der betroffenen Familie. Alle drei gefoltert und in Kreuzform an eine Wand genagelt. Ein Racheakt in der Baubranche? Da könnte ein Motiv zu finden sein. Denkste. Am hingehuschten Ende wird der Mörder gefasst, wieso der? Sein Motiv? Was geht das den Leser an, fragt sich anscheinend der Autor. Jedenfalls hält er es geheim. Ach übrigens, die Tochter sitzt irgendwann am Küchentisch, zusammen mit ihrem wirklichen Freund, sie hatte die häusliche Misere satt und war abgehauen. Es wäre noch mehr zu bemängeln, ist aber zu kompliziert zu erklären. Ich bin eben erst fertig geworden mit Lesen und ziemlich sauer. Bei Amazon werde ich meine Meinung nicht äußern, da gibt es Rezensionen, bei denen ich mich frage, ob die Leute den Thriller überhaupt gelesen haben.
Nicht empfehlenswert.

Martin Krist

Stille Schwester

Während die Truppe von Kriminalhauptkommissar Henri Frei zu der Erkenntnis gelangt, dass sie es mit einem Serienkiller zu tun hat, versucht eine junge Frau, Rebecca Bartels, herauszufinden, was sie von dem Mann an ihrer Seite halten soll. Eigentlich wollte sie an diesem Abend fragen, ob er sie heiraten möchte, aber die Ereignisse verbieten es ihr. Angeblich hat er heute seinen ersten Arbeitstag bei einer neuen Stelle; er ruft an, dass er später nach Hause kommt, weil er einen Unfall hatte. Das stimmt, aber der tatsächliche Unfallort ist ein anderer, wie die Polizei sagt. Und hier verknüpfen sich die Geschichten, Rebecca Bartels erhält Besuch von Frei und Albers: sie könnte das nächste Mordopfer sein. Und nun kreisen Rebeccas Gedanken um Lügen und einen Mordverdacht. Frei und Albers dagegen denken über Marek nach, einen ehemaligen Kollegen, der jetzt im Immobiliengeschäft tätig ist, mit phänomenalem Erfolg. Aber die obere Etage möchte nicht, dass Marek behelligt wird. Was ist los? Frei begegnet dem philosophisch: „Reiner Zufall wäre Zufall.“
Ein wirklich spannender Thriller mit einem verblüffenden Ende. Den Titel allerdings verstehe ich nicht, kaufe mir aber trotzdem sofort den nächsten Band.
30. Juli 2018, zur Zeit noch 0,99 Euro Einführungspreis