Archiv der Kategorie: Rezensionen

Geheimes Gift

Eine erste Rezension gibt es auf Amazon zum Band 3 der Kirchberg-Krimis – und gleich 5 Sterne:

5,0 von 5 Sternen Miss Marple im Doppelpack
VonNorthern Delightam 2. November 2017
Format: Kindle Edition
Per Zufall stieß ich auf dieses Buch, der in die Schublade „Cosy Krimi“ passen würde. In einer Seniorenwohnanlage spüren die Freundinnen Ruth, eine ehemalige Finanzbeamtin, rundlich und mit Rückenproblemen, und Eveline, schlank und attraktiv, einem erst privaten, dann eskalierenden Mordverdacht nach. Eine angejahrte Bekannte war „plötzlich und unerwartet“ verschieden, wie es ominös in der Traueranzeige hieß. Die Tote und ihr Ehemann hatten in einer sogenannten offenen Ehe gelebt. In „Heimliches Gift“ werden solche Phänomene mit trockenem Humor angegangen. Auch ein Begleitservice für ältere Frauen spielt eine Rolle, und unangehme Gefühle zwischen Freundinnen wie Eifersucht werden nicht ausgeklammert. Die Hobbydetektivinnen sind intelligent und nicht auf den Mund gefallen. Autorin Anne Poettgen verleiht ihnen interessante Ecken und Kanten, und manche Details werden mit einem Augenzwinkern serviert. Ruth etwa fährt einen Smart, aber ein Cabrio. Dass die Autorin einst in der Suchtberatung arbeitete, erhöht die Glaubwürdigkeit gewisser Passagen. Das ist mein erster Krimiausflug in ein Seniorenheim. In einem Vorwort zum Buch bekennt die Autorin, dass sie Krimis schreibt, weil ihr sonst langweilig würde. Das Wort „trostlos“ kommt ihrer Protagonistin Ruth übrigens ohne Hemmungen über die Lippen, wenn es um ihre Umgebung geht (sie besucht jedoch einen Computerclub und die Vorträge eines Geschichtsvereins). Was diesen Krimi für mich interessant machte, war die präzise und schonungslose Beschreibung des Seniorenalltags und die Rebellion der beiden „Spürnasen“ gegen ungeliebte Einschränkungen. Wenn es einen Mord braucht, um die Suppe zu würzen, dann tut das zumindest einer Expansion meiner Bücherwelt gut. Wer sagt denn, dass nur Young Adult Fiction heiß sein kann…

Bernadette Calonego

Die letzte Erkenntnis
Lester Debuisson will sich auch Jahre nach der Ermordung seines Bruders nicht damit zufrieden geben, dass kein Täter ermitteln werden konnte. Durch Notizen seines Bruders, die ihm zugespielt werden, nimmt er eine Spur auf, die ihn von Kanada ins alte Europa führt. Aber schon die erste Station, Berlin, scheint nicht ergiebig. Bis eine junge Schweizerin und ein Beamter des Bundeskriminalamtes Hinweise geben, die wie an einer Schnur zu immer neuen Erkenntnissen führen.
Tia Brekmann dagegen kommt aus der Schweiz nach Kanada auf eine Pferderanch, um ein paar Ferienwochen zu verbringen. Nach dem tragischen Tod ihres Vaters, der vor Jahren erschossen wurde, hat sie einen neuen Namen erhalten, weil auch die Familie gefährdet sein könnte. Einmal zu viel wird nach ihrem Pass gefragt, Schüsse fallen auf der Nachbarranch. Die Ankunft ihres Freundes verzögert sich unerwartet – Tia ist beunruhigt. Ist sie zu ängstlich?
Lesters immer neue Hinweise lassen mich vermuten, wo die Schnittpunkte zwischen beiden Schicksalen sein könnten. Ein aufregende Jagd, an der ich mich gern beteilige. Mehr wird nicht verraten, lesen lohnt sich.
Über die Autorin verrate ich gern etwas: Bernadette Calonego ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, lebt jetzt in Canada, in Vancouver. Sie ist als Auslandskorrespondentin in der ganzen Welt unterwegs und kann darum authentisch über all die Städte berichten, die Lester Debuisson auf seiner Suche nach der Wahrheit kennenlernt.
Erschienen ist „Die letzte Erkenntnis“ Mitte Oktober – und schon ein Bestseller
Das Taschenbuch kostet 9,99 und das E-Book 3,49 Euro.
Über ihr vorjähriges Buch „Die Fremde auf dem Eis“ habe ich auch schon berichtet.
Noch mehr über Bernadette Calonego

John Alba

Kessel
Einmal nebeneinander, dann wieder verflochten existieren Welten, in denen es kriminelle Handlungen und fixe Kriminalkommissare gibt und Welten, in denen eine Wiedergängerin auftaucht oder seltsame Materialisationen erschrecken. Ein Freundeskreis aus sechzehnjährigen Schülerinnen und Schülern wird durcheinandergewirbelt. Die Wiedergängerin ist eine ihrer Lehrerinnen, die vor ein paar Monaten gestorben ist. Tatsächlich – wie DNA-Proben ergeben. Was will sie?
Tobias, die Hauptperson hat einen Vater, der seine Mutter halbtot geschlagen hat, er ist ihre einzige Verbindung zum Leben. Und für seinen Vater wünscht er nichts anderes als den Tod. Ein ermordeter Freund, eine verwandelte Freundin – ein bisschen viel zu bewältigen für den Jungen. Leider kann ich mit diesen dürren Worten nicht wirklich beschreiben, was diese Geschichte ausmacht. Ein umfangreiches Buch und nicht eine Sekunde lässt die Spannung nach. Und, was leider selten ist, ein angemessener Schluss. Noch tagelang tat es mir leid, dass das Buch zu Ende gelesen war. Und wer bei Kessel und Wiedergänger an die Kelten denkt, liegt wohl richtig.
John Alba, erschienen März 2017, Taschenbuch 14,98, E-Book 2,99 Euro

Das verschwundene Manuskript – Teil drei

Ilse lebt nun allein in dem Pavillon, der ihnen als Wohnung angewiesen wurde. Der Professor ist zum Lustschloss der Prinzessin gefahren, dort sollen Truhen mit alten Pergamenten gefunden worden sein. Die Eheleute sind zum ersten Mal getrennt, getrennt worden ist richtiger. Die Prinzessin umgarnt den Professor, der Fürst macht Ilse fragwürdige Anträge. Durch den Besuch einer Dame, die Ilse seit der Kindheit kennt, wird dieser klar, wo sie wohnt: Der Pavillon ist seit vielen Jahren berüchtigt, weil die Fürsten dort ihre Mätressen untergebracht haben. Das ist im Volk bekannt und so wird Ilse geschmäht: Sie treibt es mit dem Vater und dem Sohn. Das ist für sie unerträglich und sie flieht mit Hilfe eines treuen Dieners in das Haus ihres Vaters. Das allerdings in diesem Fürstentum liegt. Mit Entsetzen stellt man als Leserin fest, wie viel Willkür um 1850 herrschte. Ilse gelingt es nicht, einen Wagen für sich zu mieten, Lakaien wissen das zu verhindern. Gleichzeit gerät ihr Ehemann in Gefahr, der Fürst sucht seine Tochter auf und – als sei es ein Versehen – zielt er mit seinem Gewehr auf den Professor. Ein Hofmann drückt in letzter Sekunde das Gewehr beiseite. Im Schloss der Tochter hatte der Professor ein Manuskript gefunden, das er schnell als Fälschung entlarvt, der Fürst hatte es erstellen lassen.
Dem Hofmann ist inzwischen aufgegangen, dass der Fürst nicht mehr Herr seiner Sinne ist, er fordert ihn zum Rücktritt auf. Jetzt beginnt eine wilde Jagd, der Fürst fährt zurück ins Schloss, erfährt, dass Ilse trotz der Hindernisse fliehen konnte und fährt sogleich weiter zum Gut des Vaters, in dessen Nähe auch der Erbprinz weilt. Es kommt zu einer Katastrophe, zunächst durch etwas, was wir heutzutage Starkregen nennen. Ein Bach wird zum Fluss, gefährdet die Brücken, die über ihn führen. Der Fürst will trotzdem weiter, Sein Wagen stürzt um, der Fürst liegt hilflos im Wasser, wird geborgen und ist nun vollends außer Sinnen. Er wird in das nahe Gut des Vaters getragen, Ilse flieht nun auch aus ihrem Vaterhaus.
Das Ende ist ein doppeltes Happy End, der Professor findet seine Frau Ilse, der Doktor, den wir aus den früheren Teilen kennen, heiratet das von ihm angebetete Mädchen. Aber dem Gedanken, das Manuskript zu finden, schwören die beiden Gelehrten ab.
Noch einmal: Den Bericht aus einer Zeit vor mehr als hundertfünfzig Jahren zu lesen, ist ein Genuss. Und sein Autor ist ein wohlbekannter Mann.

Magical Mystery Tour

Sven Regener
Magical Mystery Tour oder die Rückkehr des Karl Schmidt
Besagter Karl Schmidt erzählt und erzählt – lauter kurioses Zeug. Was vielleicht daran liegt, dass ihm von ärztlicher Seite bescheinigt wurde, er sei ein Multitox. Was heißt: Zigaretten, Alkohol, Gras und so weiter. Der erste Teil zeigt das Leben des Herrn Schmidt in einer drogentherapeutischen Einrichtung, einer WG in Hamburg-Altona – nicht wirklich normal. Ehemalige Kumpel sind mit BummBumm-Records zu Reichtum gekommen und brauchen Charlie – so hieß er bei ihnen – als Chauffeur für ihre Magical Mystery Tour, er muss ja nüchtern bleiben. Das Bumm Bumm der Raver macht es Charlie schwer, den Versuchungen zu widerstehen, aber im Notfall hilft ja Wegrennen so sein Therapeut. Das Magische: Auflegen von Platten aus eigener Produktion, einige Stunden ungesunden Schlafs von acht bis zwölf in billigen Hotels. Der Größte Erfolg „HalloHillu! Eine tolle Tour durch Deutschland und die Szene, witzig, humorvoll mit irren Details; anrührend der Kampf von Charlie, der wieder Karl sein will. Bewundernswert: Sätze, die auch schon mal über anderthalb Seiten geführt werden. Verdientermaßen Spiegel-Bestseller.

Jörg Marenski

Der Spieler
Das ist ganz neu: Ein Band voller Geschichten, zu denen Songs eines Rocksängers der Anlass waren. Sein Name ist Achim Reichel und ich hatte ihn nie vorher gehört. Was aber an mir liegt. Es sind erfundene Geschichten zu einem seiner Titel, mal auch Selbsterlebtes, das zu einem Titel passt. So zum Beispiel die Geschichte „Rose und Hyäne“. Die Begegnung eines kleinen, neugierigen Jungen mit Rose, für die er mittags etwas zu essen besorgt. Was sich wohltuend auf sein Taschengeld auswirkt. Rose wird leider von ihrem Zuhälter, der Hyäne, geschlagen. Der kleine Kerl versucht einzugreifen, das macht ihn für Rose zum Helden. Dreizehn Geschichten stichwortartig zu beschreiben, das sprengt den Rahmen, aber ich muss doch sagen, dass alle auf ihre Weise berühren, seien es Heitere, Ernste oder Tragische. Seltsamerweise habe ich die Geschichten nicht Stück für Stück gelesen, sie sind so verführerisch, dass ich eine nach der anderen verschlungen habe. Ehrlicherweise nur jeweils drei oder vier.
Es ergibt sich ein Bild des Autors Jörg Marenski, das manchen überraschen wird.

buchcover
Erschienen im Juli 2017, Tb 12,00 Euro, ISBN 978-3-7431-9014-6, E-Book 2,99 Euro

Magical Mystery

Ich müsste mal wieder etwas über anderer Leute Bücher schreiben, sonst wird es den Leserinnen hier vielleicht langweilig. Ich lese gerade von Sven Regener „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“. Besagter Karl Schmidt erzählt und erzählt – lauter kurioses Zeug. Was vielleicht daran liegt, dass ihm von ärztlicher Seite bescheinigt wurde, er sei ein Multitox. Was heißt: Zigaretten, Alkohol, Gras und so weiter. Zusätzlich zu einem mehr als stressigen Job als Musiker führte das zu einem Zusammenbruch – daher nun die Rückkehr des Karl Schmidt, die Rückkehr in ein normales Leben.
Der erste Teil zeigt das Leben des Herrn Schmidt in einer drogentherapeutischen Einrichtung, einer WG in Hamburg-Altona – nicht wirklich normal. Tagsüber tut er Dienst als Hilfshausmeister in einer Einrichtung für schwer erziehbare Kinder, die allerdings einen sehr hübschen Namen hat: Kinderkurheim Elbauen. Die Abende sind Gruppenabende, also -therapie. Daraus erlöst wird er auf Seite hundert von ehemaligen Kumpels, die mit zeitgenössischer Musik zu Reichtum gekommen sind – Rave und so. Sie brauchen ihn allerdings nicht als Musiker sondern als Chauffeur für ihre Magical-Mystery-Tour durch Deutschland. Sie wissen, dass er gar nichts mehr darf außer Zigaretten. Sie haben in Berlin ein Haus, ein Büro mit vielen Schreibtischen und viel Personal, eine oder einer chaotischer als die anderen. DJs, Sänger und Sängerinnen, einzeln oder in Gruppen. Die Büroarbeit erledigen sie nebenher … Die Plattenlabel: BummBumm und Kratzbombe. Einer der größten Hits: Hallo Hillu (!). Charlie, der Multitox, ist der Fels in der Brandung.
Als Leserin nimmt man Teil an einer Tour mit abendlichen „Konzerten“, einigen Stunden ungesunden Schlafs von acht bis zwölf in billigen Hotels und anschließenden Fahrten in die nächste gebuchte Stadt. Kreuz und quer: Berlin – Bremen – Köln – Hamburg und so weiter. Heiter.
Ich bewundere die Kunst von Sven Regener, Sätze auch schon mal über anderthalb Seiten zu führen, ohne dass man ihm einen Fehler nachweisen kann. Und verständlich ist es auch, Charlie schreibt in der Ichform und hat so allerhand zu denken und zu bedenken, da wird der Satz eben etwas länger. Ich bin erst bei Seite 239 von 504 und muss die zweite Hälfte nachreichen.

Ein ganz toller Krimi-Autor: Martin Suter

Vor kurzem habe ich Martin Suter kennengelernt – natürlich nur im Fernsehen und dann seine Romane. Vordergründig sind es Kriminalromane, es kommen jedenfalls Verbrechen vor. Insgesamt sind es aber wahnsinnig interessante Geschichten von wahnsinnig interessanten Leuten. Wenn ein Banker ein Hippiemädchen kennenlernt, kann es schon mal … Suter lebt in Zürich, daher spielen die Romane in der Schweiz, was man schon an den Namen der handelnden Personen ablesen kann. Was aber natürlich nicht wichtig ist 😉
In der Rheinischen Post werden in den letzten Tagen Kriminalromane vorgestellt, die einem Redakteur der Zeitung gut gefallen haben. Ich kann hier also die Besprechung einer Suter-Geschichte verlinken: „Die dunkle Seite des Mondes“.

Eine ganz alte Geschichte

Ich habe in den letzten Tagen bis spät in die Nacht gelesen: Stolz und Vorurteil von Jane Austen, 1813. Es handelt sich kurz gesagt um die Liebesgeschichten dreier Töchter eines kleinen Landadeligen. Stolz und Vorurteile spielen eine große Rolle: hier Adel, da Bürgerliche. Und wenn Braut und Bräutigam aus den verschiedene Sphären stammten, dann kann ein langer Roman daraus werden. Wie viel Seiten das Buch hat, weiß ich nicht, ich habs als E-Book gelesen, was am Abend auf dem Balkon sehr angenehm war, bei unseren momentanen Temperaturen. Hin und wieder wurde es ein Uhr, bis ich das Buch weglegte – so spannend ist es. Warum es so spannend ist? Ich weiß es nicht. Zumal man absehen kann, wie es endet – außerdem hatte ich es irgendwann als Film gesehen. So spannend möchte ich auch schreiben können, ohne jeden Aufwand an aufregenden Szenen.
Hier ist ausführlicher und kenntnisreicher darüber geschrieben

Anna Wittig

Der Kuss des Boccore
Wie es sich für eine Kurzgeschichte gehört, wird man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen, die einen atemlos werden lässt. Das Böse in unserer trivialen Welt und das Geheimnisvolle der Voodoo-Kultur in Westafrika treffen aufeinander. Der Kuss des Boccore löst eine Geschichte aus, die nicht von dieser Welt ist, aber unsere Welt durcheinanderwirbelt. Wenn man es denn glauben will. Das hört sich geheimnisvoll an und so ist die Geschichte auch. Der Boccore ist ein Voodoopriester, dessen Geist im Augenblick seines Todes in den Körper seiner Tochter Kumani übergeht. Sein Mörder, ein weißer Mann, adoptiert das Kind, aus Kumani wird Cathy. Sie wohnt jetzt in Deutschland, weit weg von Afrika, aber der Boccore will seine Rache. Man fürchtet, dass er sie bekommen wird.
Kurzgeschichte, Juni 2017, E-Book 0,99 Euro